ad ACTA mit einem Urheberrecht aus dem letzten Jahrtausend!

STOPP ACTA

Vor kurzem habe ich bereits gegen SOPA und PIPA geschrieben und wahrscheinlich haben mittlerweile auch schon einige von ACTA gehört – sei es auch über Facebook, wo das Anti ACTA Video von Anonymous ziemlich häufig verbreitet wurde. Ich will jetzt auch gar nicht ewig über ACTA erzählen und warum es böse ist: undemokratisch, einseitig Content-Mafia befürwortend, zukunftsschädlich, … Andere haben das schon ausführlicher und besser gemacht.

Siehe beispielsweise hier:

De facto würde es in Deutschland wahrscheinlich auch zu keiner Verschärfung des Urheberrechts kommen, da entsprechende Regelungen bereits in deutschem Recht vorhanden sind. Allerdings möchte ich einen Punkt besonders betonen: Wird ACTA erst einmal als völkerrechtliches Instrument ratifiziert, zementieren wir damit auf Ewigkeiten unser geltendes deutsches Urheberrecht und das sogar weltweit in vielen Ländern. Ein Urheberrecht das mehrheitlich aus dem Jahre 1965 und in den Ursprüngen noch um die Jahrhundertwende stammt, zu einer Zeit in der man von den Möglichkeiten des Internets noch nicht einmal träumen vermochte.

Wenn man beispielsweise auf Spiegel Online solche Artikel liest: „Ein Klick – zack, Hunderte Euro weg“, sollte einem jedem klar werden, dass unser deutsches Urheberrecht so recht nicht mehr in unser Internetzeitalter des allgemein verbreiteten Sharings passt. Versteht mich nicht falsch, ich bin stark dafür dass ein Künstler, Musiker, Schriftsteller oder ein anderer Urheber von seiner geistigen Schaffensarbeit (gut) leben kann und soll – bei entsprechendem Talent natürlich. Aber es muss ja nicht immer über ein veraltetes Geschäftsmodell passieren – Musiker verdienen beispielsweise zunehmend mehr Geld mit Konzerten und Schriftsteller mit Vorträgen. Dies schaffen sie durch einen erhöhten Bekanntheitsgrad, der oftmals auch aus illegalen Kopien im Internet stammt. Auch erscheint mir das Konzept der Kulturflatrate als sehr vielversprechend oder etwa andere Ausführungen hier. Im derzeitigen Zustand profitieren jedoch hauptsächlich die Verwertungsgesellschaften und die gehen vor allem mit kleinen Künstlern nicht zimperlich um.

Aus diesen Gründen finden nun am Samstag den 11.02.2012 europaweit Demos statt, um die Ratifizierung von ACTA zu stoppen. Ich habe mich entschlossen auf die Demo in Berlin zu gehen. Falls ihr auch an einer Demo in eurer Stadt teilnehmen möchtet findet ihr hier eine Übersicht. Außerdem findet ihr hier von den Piraten weitere Infos und Material. Also wagt euch Samstag auf in die Kälte und protestiert gegen ACTA. Ansonsten unterzeichnet zumindest die E-Petition und verbreitet die Botschaft im Netz oder natürlich noch besser in der Real World weiter!

P.S. ACTA hat es sogar in die Mainstream Medien geschafft, wie man hier in dem ARD-Nachtmagazin Beitrag sehen kann.

Internetzensur, Vorratsdatenspeicherung und Zwei-Klassen-Internet: Generalverdacht, Überwachung und letztlich Angst

Wikipedia: Protest gegen Internetzensur

Heute passierte etwas Unglaubliches, die englischsprachige Wikipedia blieb schwarz und zeigte keine Inhalte mehr an. Für viele Schüler, Studenten und Arbeitende dürfte das ein Schock sein – Hausarbeiten und Zusammenfassungen dürften wohl einen Tag mehr auf sich warten lassen. Wir wollten bei uns in der Firma schon den Brockhaus auskramen ;-) . Zu diesem Zustand kam es nicht etwa weil die Server ausfielen oder die Spenden ausgegangen sind. Wikipedia protestierte gegen zwei US Gesetzesvorlagen SOPA und PIPA die de facto Internetzensur ermöglichen. Wer weitere Hintergründe erfahren möchte findet beispielsweise unter netzwertig.com ein Statement.

Neben den Bemühungen zur Internetzensur stehen vor allem hier in der EU immer wieder Bemühungen zur Vorratsdatenspeicherung auf der politischen Tagesordnung. Sascha Lobo hat es in mehreren Beiträgen auf Spiegel Online bereits sehr treffend analysiert:

„Die Vorratsdatenspeicherung sollte voreilige Volksüberwachung genannt werden und ist eines demokratischen Rechtsstaats nicht würdig.“ Die vorauseilende Volksüberwachung

„Die Vorratsdatenspeicherung ist erst der Anfang der digitalen Kontrollwut, die auf dem Irrglauben beruht, Angst verbessere die Gesellschaft.“ Angst essen Freiheit auf

The Dark Kningt: Sonarüberwachung per Handy

Man kann sich die Vorratsdatenspeicherung Science Fiction mäßig wie der erste Schritt zur totalen Überwachung von oben vorstellen. Ähnlich wie im Film The Dark Knight in dem Batman den psychopathischen Joker mit Hilfe einer auf jedem Handy in Gotham City installierten Sonarortung zur Strecke bringen will (wer den Film noch nicht gesehen hat, unbedingt nachholen!). Damit kann nämlich ganz Gotham City überwacht werden. Die Maschine wird ein einziges mal von Lucius Fox zur Jagd auf den Joker benutzt, unter der Bemerkung es sei unethisch, falsch und zu viel Macht für eine Person (auf YouTube findet ihr den sehr schönen Dialog). Folgerichtig wird die Maschine am Ende auch zerstört. Zwar kann eine Überwachung auch der Sicherheit der Bevölkerung dienen, aber das sollte niemals ohne Verdächtigung geschehen – das ist es nämlich auch schon längst nach deutschen Recht möglich. Andernfalls wird unsere gesamte Gesellschaft unter Generalverdacht gestellt und damit haben wir den Überwachungsstaat.

Schließlich greifen auch die Internetprovider selbst die Freiheit des Internets an, indem sie die Netzneutralität beseitigen wollen und damit ein Zwei-Klassen-Internet errichten wollen. Dort können sie dann schön von zwei Seiten Geld abkassieren.

All diese Angriffe und Zensurvorhaben haben eine ähnliche Motivation: die Angst vor Kontroll- und Machtverlust. Seien es nun die Film- oder Musikindustrie die an ihrem veralteten, aufgeblähten Geschäftsmodell festhalten wollen, die Internetprovider die selbst den Einstieg in das Webgeschäft verpasst haben, befürchten zu „dummen Leitungslegern“ zu verkommen und neidisch auf die hohen Gewinne von Google und Co. schielen oder die Politik und die Staaten die den Kontrollverlust befürchten. Sie alle eint, dass sie mit gestrigen Mitteln gegen die neue Transparenz des Internets und seine neuen Möglichkeiten vorgehen. Aber das ist kurzsichtig, egoistisch und falsch. Oder um es mit einem schönen Beitrag zu beschreiben, welchen ich heute gelesen habe:

When the world changes…

It’s painful, expensive, time-consuming, stressful and ultimately pointless to work overtime to preserve your dying business model.

All the lobbying, the lawsuits, the ad campaigns and most of all, the hand-wringing, aren’t going to change anything at all. In fact, instead of postponing the outcome you fear, they probably accelerate it.

The history of media and technology is an endless series of failed rearguard actions as industry leaders attempt to solidify their positions on a bed of quicksand.

Again and again the winners are individuals and organizations that spot opportunities in the next thing, as opposed to those that would demonize, marginalize or illegalize (is that a word?) it. Breaking systems that benefit your customers is dumb. Taking money from lobbyists to break those systems is dumber still. auf seth godin‘s BLOG

Richtig wäre es sich den neuen Gegebenheiten des Internetzeitalters zu stellen, denn Chancen gibt es genug. Wir brauchen ein neues Urheberrecht in dem die Content Erstellung, der Urheber und die Verteilung der Inhalte in der Gesellschaft im Vordergrund stehen und nicht die Verwertung und Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen durch aufgeblähte und teilweise überflüssige Gesellschaften. Man – bzw. die Urheber – können mit Merchandising, Konzerten und Auftritten bisweilen auch trefflich verdienen. Die Versorgung der Gesellschaft in jeder Ecke des Landes mit rasend schnellem und mobilen Internet sollte gewährleistet werden und könnte wahre Innovationsschübe auslösen. Die Politiker und der Staat können über das Internet mit den Bürgern in einen kritischen und konstruktiven Dialog treten und damit die wirklichen Probleme des 21. Jahrhunderts angehen. Aber stattdessen verfangen wir uns mal wieder in einem unnötigen Krieg des Status Quo gegen die neue Avantgarde…

Einfach mal optimal leben

Knopf oder Lebensentscheidung?

Knopf oder Lebensentscheidung?

Fast 2 Jahre ist es her, dass ich mit einem Freund in Edinburgh eine geführte Tour durch die neblige Stadt gemacht habe. Die Tour war eine Pay-As-Much-As-You-Like-Tour. So wie Wikipedia. Oder das Internet im Allgemeinen. Es war die beste Tour, die ich je erlebt habe. Dabei war der Guide (aufgrund SEO benutz ich diesmal nicht Führer) weder zertifiziert noch dafür ausgebildet. So wie Wikipedia oder das Internet im Allgemeinen. Ich muß nicht erwähnen, dass der geniale Guide damit einen Stundenlohn von etwa 40€ und mehr hatte, oder?

Auf dieser Tour liefen wir auch an der Statue von Adam Smith vorbei, und als ehemaliger Gewinner der Schlechten-Witz-Woche konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, warum man denn seine Hand sehen könne. Trotz des offensichtlichen Trash-Faktors des selbstausgedachten Witzes fragte mich der Guide, ob er den in Zukunft in seine Tour aufnehmen könnte. Touché!
Laut Adam Smith bin ich ein Versager. Oder habe ich ihn da falsch verstanden? Ich habe mir sein Werk als Hörbuch angetan (das zusammen mit Einsteins Relativity: The Special and General Theory und Descartes Discourse on the Method of Rightly Conducting One’s Reason and of Seeking Truth in the Sciences definitiv auf die Liste der Bücher gehört, die vorgelesen so verständlich sind wie Faust in Morse-Code) und verstanden, dass ich mich lieber auf das konzentrieren sollte, was ich besonders gut kann. Bin ich gut im Malen und kann mit meinen Bildern einen Stundenlohn von 50€ erwirtschaften, sollte ich nicht putzen. Lieber jemanden einstellen! Basic Economics! Einfach, simpel. Kann leider nur nicht malen.

Will ich ein App basteln, sollte ich lieber Sven anstellen. Oder besser noch, einen Inder! Oder wer hat gerade das beste Preis/Leistungs-Verhältnis?
Ich habe letztens den Kurs Optimeringsmetoder belegt (Einfach raten, Schwedisch ist nicht schwer zu lesen). Da hat man gelernt, wie Dinge am besten und effektivsten gemacht werden. Das Thema war unglaublich spannend: Wie benutze ich meine Ressourcen so, dass ich das Maximale rauskriege? Allgemein: Given the constraints A and the costfunction c, calculate x so that Z=c*x is maximized!
Das mach ich ja sowieso jeden Tag: Ich hab 24h Zeit (=A), mir bringen Dinge unterschiedlich viel Spaß/Geld/Lebensfreude/whatever (=c) und ich will meinen gesamten Spaß/Geld/Lebensfreude/whatever (=Z) maximieren. Wie verteile ich meine Zeit (=x)? Leicht, oder? Adam Smith wäre stolz auf mich.
Nur, dass c nicht wirklich linear ist. Und was will ich überhaupt maximieren? Bei Smith ist Z=Wohlstand. Aha.
Aber irgendwie hab ich das Gefühl, ich bin nicht alleine mit dem Drang zum Optimieren. Es gibt nicht nicht nur ein Ich, sondern ein Wir. Und endlich kann uns die Technik dabei helfen, in ungewohntem Ausmaß.
Es wirkt, als ob viele Apps ein Ausdruck unseres Wunsches nach Optimierung sind: Sämtliche Serendipity-Werkzeuge zielen darauf ab, unsere Zeit zu optimieren. Dating-Seiten, Digg.com, Facebook-Feed, und Google-Ads lotsen uns vorbei an den achso-unnötigen Informationen, um uns das zu geben, wofür wir uns maximal intressieren. Denn schließlich wollen wir alle was maximieren und unsere Zeit nicht für etwas verschwenden, was nicht einen bestimmten Parameter maximiert.

Wohlstand?
Ach, Adam Smith, nenn mich ruhig Versager!

Bild von RyanAlldread

Privatsphäre: Ein Auslaufmodell?

AuslaufmodellIn letzter Zeit habe ich ein paar sehr interessante Gespräche zum Thema Privatsphäre geführt. Ausgelöst wurden diese oftmals durch Facebooks neu angekündigte Features Timeline und der Open Graph Erweiterung. Bedingt durch das Internet, stehen wir vor einer noch nie gesehenen Transparenzwelle – in allen Teilen der Gesellschaft. Bekanntere Beispiele dafür sind natürlich GuttenPlag und Wikileaks. Aber diese Transformation findet auch im privaten Raum von nicht berühmten Personen statt. Blogs und Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Google+, Xing und foursquare, um nur die bekannteren Vertreter zu nennen, ermöglichen es im voranschreitenden Maße auch Normalsterblichen vorher private Informationen zu teilen und somit öffentlich oder zumindest halböffentlich zugänglich zu machen. Und diese Möglichkeiten werden auch sehr freudig genutzt, wie man unschwer an den mittlerweile 800 Millionen Facebook Nutzern erkennt.

Damit eröffnen wir ein ziemlich interessantes, riesiges gesellschaftliches Experiment: Wieviel Transparenz verträgt eine Gesellschaft? Holen uns unsere Jugendsünden später wieder ein und bekommen wir auf einmal einen Job nicht mehr wegen ein paar versoffener Partyfotos. Oder wird sich die Toleranzgrenze, vor allem von den Personalabteilungen, anpassen müssen, da ansonsten kein Bewerber mehr tragfähig wäre. Wie reagiert die nächste Generation auf ein minutiös protokolliertes Leben ihrer Eltern? Ist das Verbieten von Dingen für die Kinder noch möglich, wenn man es als Elternteil nachweislich auch gemacht hat? Wird man dann endlich Klartext mit seinen Kindern reden und ihnen erklären anstatt nur zu verbieten? Hat ein Lehrer noch Autorität vor seinen Schülern, bekommt er vielleicht sogar mehr, da er für seine Schüler greifbarer wird oder muss er sich auf Psychoterror mit Details aus seinem Leben einstellen? Wird es noch Möglichkeiten für zweite Chancen geben? Werden wir in gähnender Langweile ersticken, wenn alles über jeden gegoogelt werden kann oder können wir wohlmöglich unsere gesellschaftliche Organisation auf das nächste Level hieven. Möglicherweise werden Neid und Angst ausgerottet und es folgt Akzeptanz, eine Akzeptanz der Verschiedenheit? Entsteht der perfekte Dating Algorithmus oder zumindest eine verbesserte Auffindung von interessanten Personen?

Das sind alles Fragen auf die wir in den nächsten Jahren wahrscheinlich Antworten finden werden müssen. Fest steht nur, dass die Definition der Privatsphäre noch nie fest, sondern sich schon immer den Gegebenheiten der Zeit angepasst hat. Persönlich bin ich ja der Meinung, dass uns ein mehr an Transparenz nicht schadet, dabei sollte das aber noch jeder für sich selbst bestimmen können. Nicht jeder kann sich den Luxus leisten vieles/alles über sich preiszugeben und viele wollen dies aus den verschiedensten Gründen nicht. Und falls Transparenz von oben verordnet wird, dann befinden wir uns schnell sehr nahe am orwellschen Ideal eines Überwachungsstaat. Wobei ich ein öffentliches Register zu staatlichen Akten doch sehr reizend finde, so wie man damit in Schweden auch die Gehälter und Steuern aller Bürgerinnen und Bürger öffentlich einsehen kann. Aber allgemein, darf eine persönliche Transparenz überhaupt nur von jedem selbst kommen. Das es durchaus Menschen gibt, denen diese Idee gefällt, kann man beispielsweise auf dem Blog der datenschutzkritische Spackeria nachlesen. Uns stehen also spannende Zeiten in Sachen Privatsphäre und Datenschutz bevor, deshalb sollte sich jeder mal ein paar Gedanken dazu machen, wie er nun zu der ganzen Problematik steht. Und das gerne auch mal abseits von dem Hobby des Google und Facebook Bashings, das fast alle deutschen großen Medienhäuser eint.

oberstes Bild von Fotografioso

Facebook und der heilige Social Serendipity Gral

Facebook f8 Entwicklerkonferenz mit Mark Zuckerberg

Facebook F8 Entwicklerkonferenz

Vor bald zwei Wochen fand Facebooks alljährliche große Entwicklerkonferenz F8 statt. Seitdem haben sich die Blogosphäre aber auch traditionellere Medien mit Kommentaren fast überschlagen. Ich hab unten einige Beiträge und das Konferenzvideo aufgelistet. Zur kurzen Rekapitulation: Facebook hat zwei große Neuerungen angekündigt, nämlich Timeline und eine Erweiterung ihres Open Graph Protokolls. Timeline ist im Prinzip ein digitales Tagebuch seiner selbst und wird sukzessive das bisherige Profil ersetzen. Mit der Erweiterung von Open Graph kann man nun nicht nur Dinge „liken”, sondern es sind auch andere Verben wie beispielsweise essen, (fern)sehen und (Musik) hören möglich.

Der zweite Punkt ist – aus Sicht eines Entwicklers – die interessantere Neuerung. Timeline ist eher eine – anscheinend sehr schöne – Visualisierung des Ganzen. Das wird die Nutzer allerdings erstmal mehr beschäftigen. Was ist aber nun das Interessante an der Open Graph Erweiterung um eine [Subjekt] [Prädikat] [Objekt] Struktur mit der man Sachen ausdrücken kann wie [Ich] [höre] [The Gaslight Anthem - The '59  Sound]. Das könnte man ja auch als Status Update posten. Allerdings verstehen nun Computer den Sinn hinter dieser Aussage. Vorher war ein Status Update für Computer mehr oder weniger Kauderwelsch. Nebenbei können solche Aussagen nun auch automatisiert werden und im Hintergrund geschehen, also beispielsweise direkt beim Musik hören ohne menschliches zutun. Diese beiden Stichworte, Maschinenlesbarkeit und Automatisierung, dürften übrigens jedem Informatiker das Herz höher schlagen lassen ;-) . So etwas geht auch schon länger mit anderen Webdiensten. Zum Beispiel „scrobble” ich meine Musik mit last.fm, „tracke” meine Läufe mit RunKeeper und „checke” meine Aufenthaltsorte mit foursquare ein. Dies sind aber eher Nischendienste und keiner hat die Reichweite und Mitgliederanzahl wie Facebook. Meine Motivation dahinter ist unter anderem meine Vorliebe zu Statistiken. Was höre ich gerne, wie sportlich bin ich und wo war ich schon überall. Falls mir etwas besonders gefallen hat, finde ich es so auch sehr einfach wieder. Allerdings bin ich mir wohl bewusst, dass mein Verhalten wohl (noch) nicht massentauglich ist.

Warum sollten die neuen Möglichkeiten von Facebook abseits von Selbstdarstellern, Privatsphärenverweigerern und Statistikliebhabern auch für eine große Anzahl von Leuten interessant werden können. Das Stichwort hierzu ist (Social) Serendipity:

Der Begriff Serendipität (auch: Glücksfundengl. Serendipity), gelegentlich auchSerendipity-Prinzip bzw. Serendipitätsprinzip, bezeichnet eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.[1] Verwandt, aber nicht identisch, ist der weiter gefasste Begriff „glücklicher Zufall“. siehe Wikipedia

Unser ganzes Tun kann für jemanden anderen – im Facebook Umfeld hauptsächlich unsere Freunde – nämlich sehr hilfreich sein. Wie findet man denn oftmals neue coole Musik, großartige Filme, interessanten Lesestoff oder tolle Reisemöglichkeiten. Ziemlich häufig doch über Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Zumindest von denen mit einem ähnlichen Geschmack. Außerdem vertrauen wir diesen meistens mehr als irgendwelchen Empfehlungen von Fremden oder Firmen. Allerdings ist es so gut wie unmöglich einen Überblick über alle Vorhaben und Vorlieben aus unserem Bekanntenkreis zu behalten, besonders wenn sich die Personenzahl immer weiter erhöht und global verteilt. Diese Vermittlerrolle will nun Facebook einnehmen. Indem Muster in unserem Verhalten und Vorlieben erkannt werden und unseren Freunden abrufbar gemacht werden, können wir viel besser einen Überblick behalten und Glücksfunde identifizieren. Die Informationsflut wird quasi zusammengedampft und uns in beherrschbaren Portionen bei gleichem Interessengebiet präsentiert. Um beim Beispiel Musik zu bleiben: Mich interessiert es weniger was jeder einzelne von euch gerade in diesem Moment hört und hier sollte Facebook auch gehörig aufpassen, dass seine Nutzer nicht mit zu vielen unwichtigen Informationen genervt werden. Über den Musikdienst Spotify von Freunden gerade gehörte Lieder erscheinen beispielsweise nun im neuen Ticker auf der rechten Seite. Was mich allerdings interessiert ist, wenn einer meiner Freunde mit einem ähnlichen Musikgeschmack ein neues Album, das ich noch nicht kenne, in letzter Zeit rauf und runter hört. Das ist meiner Meinung nach der heilige Social Serendipity Gral, den Facebook oder an Facebook „angedockte” Dienste mit Hilfe der aufkommenden systematisierten Datenflut finden können.

Zum Schluss noch zwei kleine Anmerkungen: Mir ist schon klar, dass Facebook diese Features nicht aus rein humanitären Gründen einführt. Genauere Profilcluster können natürlich viel besser (persönlich) beworben werden. Aber ganz ehrlich, stört sich irgendjemand an der persönlich Werbung von Facebook? Und zweitens wird es sicherlich wieder den üblichen Privatsphärenaufschrei geben, sobald diese neuen Erweiterungen erstmal im Mainstream ankommen: „Wie kann man einem (amerikanischen) Konzern nur so viel an persönlichen Informationen anvertrauen?!” Ich kann das allgemeine Umwohlgefühl schon nachvollziehen, allerdings sehe ich meinen erhaltenen Mehrwert als höher an. Mir ist es auch ziemlich egal, ob Facebook weiß was für Musik ich höre oder wo ich überall war. Diese Entscheidung, ob und wie viel an Informationen man mit Facebook teilt, muss aber jeder für sich selbst treffen (können).

Hier die erwähnten Berichterstattungen:

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